A trip to the archaic Khevsurian Atengenoba Feast in the Northern Caucasus in Georgia

vielen Dank für Ihre E-mail und für Ihr Interesse an den Hirtenhunden.
Die meisten der abgebildeten Hunde waren oder sind in meinem Besitz. Zu einer
richtigen Zucht kam es aber aus verschiedenen Gründen noch nicht, meistens
hatte ich oder eine gute Hündin oder einen guten Rüden, oder beides
aber die beiden waren zu eng verwandt. Nach der extremen Ausfuhr von guten
Hunden aus Georgien in den russischen Raum zur Neuzüchtung des Moskovskaja
Storoshivaja (der sich letztlich nicht bewährte und dessen Zucht mehr
oder weniger komplett eingestellt ist) gab es nur noch sehr wenige gute Hunde
in Georgien. Glücklicherweise hat sich die Situation in den letzten 10-
15 Jahren wieder dahin verändert, dass es viele Züchter gibt, von
denen einer der bekanntesten der jetzige Präsident der autonomen Republik
Adscharien Aslan Abaschidze am Schwarzen Meer ist. Auch etliche der georgischen
Klöster widmen sich nebenbei der Zucht von Schäferhunden. Eine reinrassige
kaukasische Schäferhündin mit Papieren und langer Abstammungslinie
hatte ich nur einmal, leider wurde sie im Alter von 3 Jahren vergiftet. Ansonsten
zog ich es immer vor statt der sogenannten "reinrassigen" Hunde lieber
bei den Hirten in den Bergen oder in der Halbwüste Schiraki nach guten
Hunden zu suchen. Diese Hunde bewachen noch immer Herden etc. und arbeiten,
Abstammungsnachweise haben sie natürlich keine. Die besten Hunde gibt
es meiner Meinung nach im Raum Kasbegi und in Tuschetien, auch in den Bergen
des Kleinen Kaukasus sah ich einige gute. Es scheint im Kaukasus schon immer
etliche Unterarten gegeben zu haben. Wolfsfarbene mit etwas längerem Fell
und weiße
mit meist kürzerem Fell.
Außerdem gibt es sicher auch Mischformen mit dem engen Verwandten dem
Mittelasiatischen Schäferhund, vor allem über die aserbaidshanischen
und nordkaukasischen Hirten. Allerdings gibt es beim Kaukasier keine schwarzen
Exemplare, die es beim Mittelasiaten aber sehr wohl gibt. ...] ( Dezember 2003
)
[ Hallo Herr ...,
vielen Dank für Ihren interessanten Brief. Tja, diese Hunde üben auch auf mich seit langem eine große Faszination aus und waren damals 1996 auch einer von anderen Gründen, dass ich mal für einige Zeit nach Georgien wollte, als Deutschlehrer.
Also es gibt schon etliche regionale Unterschiede, aber auch funktionsbedingte, die ich mal kurz so zusammenfasse:
Es gibt diese Hunde in grob gesagt 3 Katogerien der Haltung:
1. Spezialisierte Züchter zB in Tbilissi, Rustawi, Kutaissi, Batumi etc. die auch regelmäßig an Wettbewerben etc. teilnehmen und ihre Zucht auch zu einem großen Teil als Business betrachten (Welpen 200 -500 USD) und die sich auch untereinander kennen und auch im Land rumreisen um ihre Hündin von einem bestimmten Rüden etc. decken zu lassen.
2. Hundehalter in Chewsureti und in anderen Landes teilen, die sich große Hunde halten, vom Typus so, wie die von Keller beschriebenen, um Haus und Hof zu bewachen. Tagsüber meist an der Kette und nachts freilaufend und nachts und bei schlechter Sicht etc. auch besonders aggressiv. Die Chewsuren sind ein Bergvolk, halten aber wenig oder kaum Schafe, sondern Rinder, die auch nicht so extrem weit laufen zur Weide, sondern auf die nächste Alm. Selten, dass die Hunde da mitgehen. Viele Chewsuren haben halt kaum echte, fachliche Ahnung von dieser Rasse; er muß halt groß sein, böse zu Fremden und wenn möglich stärker als vergleichbare Hunde sein. Er wird deshalb auch nicht wirklich zielgerichtet gezüchtet, sondern eher werden halt besonders große Welpen an Bekannte und Verwandte verschenkt oder getauscht. Dort (in der Nahe von Kasbegi) sind sie überwiegend reinweiß oder gelblich, manchmal fast so groß wie Kälber. Zu fressen kriegen sie Brot und Molke, ansonsten Reste, Schlachtabfaelle etc.. In Sowjetzeiten waren etliche der Chewsuren allerdings sehr wohl Schäfer und hatten ihre Winterweiden bei Kislar am nordwestlichen Rand des Kaspischen Meeres. Dort lebten auch etliche der tschetschenischen Rückkehrer aus Mittelasien und andere Völkerschaften etc. und ich vermute, dass diese Aboriginees auch einen Schuss Blut der Mittelasiaten mitbekommen haben. Die Züchter in Tbilissi können da aber wenig Auskunft geben, man verweist dann immer auf die verschieden Typen, des Kaukasiers und fasst diese Hunde als echte Aboriginee- Vorfahren der Kaukasier zusammen.
Überhaupt, halte ich beide Rassen für überaus eng verwandt, wenn nicht identisch, was natürlich viele Fachleute bestreiten würden. Mit der Ausnahme, dass es eigentlich keine schwarzen Kaukasier gibt, aber schon Mittelasiaten, zum Teil sind das die besten. Nein, im Körperbau etc. und in der Kopfphysiognomie gibts schon feine aber wichtige Unterschiede, vielleicht sind es ja doch verschiedene Rassen mit gemeinsamen Vorfahren...
3. Es gibt die echten Hirten, die saisonal zu den Weidegründen wandern:
1. Schafhirten in Tuschetien wandern im Winter nach Schiraki und im Fruehsommer
nach Tuschetien und aserbeidschanische Schafhirten aus Südgeorgien
wandern im Sommer in die alpinen Regionen des Kleinen Kaukasus um Bakuriani
und im Herbst in die Gegend um Rustawi.
Bei den nomadisierenden Hirten sieht man ab und an, meist beim stärksten
Rüden,
die von Ihnen erwähnten Stachelhalsbänder. Die sind in der Regel
von den Hirten selbst angefertigt. Zu kaufen gibts die nicht. Witzig ist auch,
dass auf den Wanderzügen manchmal der böseste Hund mit einer kuerzeren
Kette an einen Esel gekettet ist und so der eine auf den anderen aufpasst bzw.
der Esel den Hund von unerwünschten aggressiven Aktivitäten beim
Duchqueren von Ortschaften hindert. Diese Hunde sind vor allem bei den aserbaidschanischen
Hirten am stärksten mit dem Mittelasiatischen Schäferhund vermischt
und werden auch schlecht bis gar nicht versorgt, sondern es ist die reine Zwecksymbiose
zwischen Hund und Mensch; da gehts danach, dass der Hund die Herde beschützt,
aber nicht nach Schönheit oder Rassereinheit.
Die Hirten sagen TSCHABAN (russ./türk.Schäfer)oder VOLKODAV (russ.Wolfswürger), ansonsten sagen die Georgier NAGASI oder MEZCHWARI (georg. ZCHWARI= Schaf) also auch Schäfer. Bei Nagasi bin ich nicht ganz sicher, ob das evt. auch Wolfswürger heißt.

In Tuscheti sieht man fast jedes Jahr andere Hunde, ich sah sehr schöne rötliche Foto, gelbe, gestromte aber auch graue mit längerem Haar. Die Hirtenhunde sind meist nicht ganz so groß wie die der Züchter, oder der Chewsuren. Deren Lebensdauer ist auch extrem kürzer. Viele Hündinnen schaffen es gerade ein- zweimal in ihrem Leben zu werfen. Die Mutter meines tollen Hundes Kallta, war so ein typisches Beispiel. Sie (nach dem ersten Wurf) und alle anderen Hunde meiner befreundeten Hirten starben im naechstfolgenden Winter an einer Infektionskrankheit (Staupe ??) Kallta lief mir im Alter von 1,5 Jahren läufig am Stadtrand von Tbilissi ( sie löste sich frühmorgens mir bis heute unbegreiflich von der Kette) davon, oder wurde gestohlen, was hier im Kaukasus mit guten Hunden nicht sehr selten passiert.
Die Hirten drücken den halbwüchsigen Hunden glühende Eisen auf den Nasenrücken kurz unterhalb der Augen und das soll dann vor den Infektionskrankheiten schützen. Allein Aberglaube kanns eigentlich nicht sein, da bei den Hirten fast alles seinen praktischen Sinn hat...
Kalta, geboren in einer verlassenen Wolfshöhle in Tuschetien, hatte ein ungewöhnlich schönes rötlichgelbes Stockfell, war gewandt wie eine Katze (Saltos in der Luft etc.). Sehr weisse Zähne. Sehr klug und ziemlich aktiv, im Gegensatz zu den reinrassigen, die oft scheinbar etwas träge sind. Die guten Hunde riechen auch nie nach Hund, sondern haben kaum Geruch aus dem Maul etc. Eine merkwürdige Entdeckung, aber mir fällt das immer auf, wie sehr die deutschen Hunde doch nach Hund stinken.
Im Kleinen Kaukasus, aber auch in anderen Gegenden gibts sehr gute finstere dunkle- wolfsfarbene Hunde mit etwas längerem Stockfell, etliche Klöster haben diese Typen, auch werden die zur Zeit am besten auf den Ausstellungen bewertet, wahrscheinlich ist man auf der Suche nach der echten Identität des georgischen Typs des Kaukasiers in Abgrenzung zu den Hunden der sogenannten "Moskauer Linie", zu der eher Ihre Yerma und meine Tina gehörten.
Von den Russen gibts einiges an Literatur zum Kaukasier und zu den Mittelasiaten, obwohl da auch viel von einander abgeschrieben wird.
Die Hunde der Lesghinen kenne ich nicht. Die Osseten sollen gute Hunde haben.
Gestromte Hunde sah ich insgesamt sehr selten, aber wenn, dann waren das immer
sehr gute.
Im Anhang noch 20 Bilder, zum Teil werden Sie die von den Webseiten kennen.
Bis bald. Hans Heiner Buhr
Studien über die Haustiere der Kaukasusländer
von Prof. Dr. Conrad Keller, 1913
Zu den Fotos:
Mit Papieren sind
002,
014 Tina gestorben im Sommer 2000 in Chewsureti, wahrscheinlich vergiftet,
020- wahrscheinlich
Eka war mein erster Hund (gekauft auf dem Basar Tbilissi 1996 fuer 20 USD)
gestorben 1998 an einem Schlangenbiß.
Kallta 1999- 2001, gestohlen oder weggelaufen
Tina 1998- 2000
012 Grijs, gekauft 2000 Basar Tbilissi für 40USD, Verkäufer war aus
Duscheti, lebt heute bei mir am Stadtrand in Tbilissi
004 Djaga gekauft 2001/2002 Basar Tbilissi 60 USD/ Verkäufer aus Passanauri
(zwischen Tbilissi und Kasbegi) Djaga lebt jetzt in Ostgeorgien/ Kachetien/
Lagodechi ] ( Dezember 2003 )